Archiv für Mai 2014

Symposium: Wissen schafft Emanzipation?

Wissenschaft und Bildung werden in emanzipatorischen Debatten kaum mehr thematisiert. Gesell­schaftskritische Theoriebildung und progressive Praxen, scheinen sich zunehmend auf andere Themenfelder zu fokussieren. Dabei bleibt Wissenschafts- und Bildungspolitik bürokratischen Insti­tutionen und ihren Vernetzungsprojekten überlassen, deren Selbstverwaltung und Meinungsbil­dungsprozesse meist so strukturiert sind, dass sie nicht in der Lage sind, tiefgehende Kritik am Bestehenden zu leisten. So verwundert es nicht, dass politische Organisationen, deren Verfassung der antagonistischen Gesellschaftsformation und ihrem Verfahren des Interessenausgleichs folgen, in weiten Teilen affirmativ wirken. .
Es tut daher Not Wissenschafts- und Bildungspolitik an eine gesellschaftstheoretisch fundierte Analyse rückzukoppeln. Dass Akteur*innen, die Kritik noch einigermaßen systematisch kultivieren, diesem Bedürfnis nicht nachkommen, ist wohl zweierlei Umständen geschuldet: Zum einen wird verzagt zur Kenntnis genommen, dass staatliche Institutionen, die sich vorgeblich mit Bildung und Wissenschaft beschäftigen, als soziale Zurichtungsstellen dienen. Ihre Arbeit ist notwendig darauf ausgerichtet, Individuen an das Bestehende anzupassen und nicht dazu in der Lage dasselbe fundamental in Frage zu stellen. Zum anderen wird Kritische Theoriebildung zunehmend aus diesen Einrichtungen verdrängt und sieht sich auf non-akademische Wissenschaftsbestrebungen zurückgeworfen.
Diese Ausgangslage sollte jedoch vielmehr dazu führen, sich mit bürgerlicher Wissensproduktion intensiv auseinanderzusetzen. Denn die stetige Reproduktion der sozialen Verhältnisse hängt mit modernen Subjektivationsprozessen zusammen, an denen der Kulturapparat in seinen geschichtlich gewordenen Eigenlogiken einen nicht zu verachtenden Anteil hat. Bildung und Wissenschaft sind zentrale Momente für den Erhalt wie auch die potentielle Veränderung bestehender Strukturen. Deshalb müssen die bürgerlichen Institutionen weiter untersucht, das eigene Verhältnis zu ihnen neu ausgelotet werden. Dabei muss die Frage wieder aufgegriffen werden, wie man sich praktisch zu ihnen verhalten soll. Wie kann sind sie sinnvoll umzugestalten? Kann man sie sich partiell aneignen und als Rückzugsorte kritischer Theoriebildung dienstbar machen? Dazu muss zuerst eine Analyse angestrebt werden, die das Ganze im Blick behält.

Das kommende Symposium soll sowohl dazu dienen, hochschulpolitisch Aktiven Raum für grundlegende Debatten zu bieten, als auch dazu beitragen, andere, progressive Akteur*innen wieder in Theorieentwicklung und Praxis in diesen Themenfeldern einzubinden.