mit Torsten Bultmann

Im aktuellen Streit um einige Hochschulgesetznovellen, besonders heftig geführt um das NRW-Gesetz, sind die politischen Fronten nur schwer auszumachen. Seit Ende der 90er Jahre wird versucht, das Leitbild der „unternehmerischen Hochschule“(uH) durchzusetzen, die die Gruppenhochschule der 70er Jahre ersetzen sollte. So richtig durchgesetzt hat sich die uH nirgendwo, zumal es sich um eine absurde wissenschaftswidrige Konstruktion handelt, die – so darf man vermuten – nicht einmal den systemfunktionalen Innovationsbedarf des Kapitals im High-Tech-Kapitalismus befriedigt. Dafür gibt es einige Indizien. Wenn Teile der herrschenden Politik (Baden-Württemberg, NRW) der uH eine ausdrückliche Absage erteilen, ist dies daher ernst zu nehmen. Es ist die Suche nach einem neuen politischen Pfad, der aber von ihrer Seite noch nicht gefunden ist; dafür sind die Novellen ein viel zu inkonsequent. Wir befinden uns also in einer offenen und unklaren Entscheidungssituation, in der aber in jedem Fall die politischen Karten neu gemischt werden. Zu diskutieren wäre, ob und wie in dieser Situation auch die politische Resonanz für eine radikale Demokratisierung der Hochschulen gestärkt werden kann.