Samstag, 31. Mai, 20:00 – 21:30 Uhr

mit Mathis Kaiser

Wohl wenige wissenschaftliche Disziplinen haben in den letzten Jahren eine derartige Ausdehnung ihres Geltungsbereichs erfahren wie die Neurowissenschaften. Es scheint, als ob jeder Aspekt der gesellschaftlichen Wirklichkeit letztendlich auf neuronaler Ebene erklärt (und eventuell beherrscht) werden soll. Dies äußert sich unter anderem in der fortwährenden Proklamation von hybriden Disziplinen wie Neuroästhetik und Neurophilosophie sowie der Rekonzeptualisierung des Subjekts in biologistischem Vokabular. Dass die Forschungspraxis diesen weitreichenden Ansprüchen nicht gerecht werden kann, wird von Wissenschaftler*innen im Feld kaum bestritten und hat Eingang in populäre Debatten gefunden. Dennoch bleibt ein anhaltender Hype um die Neurowissenschaften zu konstatieren.
Dieser Vortrag geht den Fragen nach, warum die Erklärungsansätze der Neurowissenschaften so attraktiv erscheinen, welche problematischen Tendenzen die Dekontextualisierung der Ergebnisse nach sich zieht, und wie eine immanente Kritik formuliert werden könnte.